Der kleine Spatz, der aus einem ganz eigenen Grund nicht fliegen wollte

Bilderbuch Spatz UngeheuerDa sitzt noch ein einzelner Spatz im Nest. Alle seine Geschwister sind längst flügge. Doch dieses Kerlchen traut sich nicht.

Es ist nicht die Angst vor der Höhe, die den kleinen Spatz ausbremst, und es ist auch keine Flugangst. Es ist dieses große, monströse Tier mit den dunklen Augen und der rauhen Zunge, dass unter dem Nest auf der Weide steht: die Kuh. Ein solches Tier muss der Feind eines Spatz sein – oder?

Katzen hingegen, diese wunderschönen geschmeidigen Tiere, können nicht böse sein, oder?

Da können die Spatzen-Eltern sich die Schnäbel wund zwitschern, das Spatzenkind glaubt es einfach nicht, dass Kühe harmlos und Katzen gefährlich sind.

Nun, jedes Kind lernt in seinem eigenen Tempo. Auch dieser Spatz.

Und am Ende feiern alle Vögel samt Kuh ein Fest. Ohne Katze.

Die gereimte Geschichte lebt einmal von der wunderbaren Idee, dass ein Spatz Angst vor einer Kuh haben könnte. Nun, aus Spatzen-Perspektive ist die Kuh ein sehr großes, sehr seltsames, sehr fremdes Tier. Kann man verstehen und hilft einem selbst zu verstehen, dass die eigenen Ängste vielleicht ähnlich seltsam konstruiert sind.

Die Folgen der Spatzen-Angst

Doch Angst ist eigentlich gar nicht das Thema des Bilderbuchs, sondern viel mehr dieses Situationen-vermeiden, das aus Angst entsteht. Furcht kann dazu führen, dass man alleine zurück bleibt und ziemlich viel verpasst – schöne Erlebnisse, nette Kontakte, neue Perspektiven. Furcht kann dazu führen, dass ein Spatz einer Katze mehr vertraut als einer Kuh.

Doch vor allem lebt diese Geschichte von den Bildern, die eine durch und durch belebte Natur zeigen. Blüten, Früchte, Insekten, Feen und Naturwesen als kleine Bilddetails und eine ausdrucksstarke Mimik der Tiere beleben die Geschichte und vermitteln eine Erzählfreude, wie sie sonst nur im mündlichen Vortrag möglich ist.

Allein die Typographie, diese schräg und kreuz und verquer durch die Gegend stehenden Sätze, die hätte es meiner Meinung nach nicht gebraucht, das sie der Geschichte nichts hinzufügen.

Das allerletzte Bild nach dem Ende der Geschichte lässt vermuten, dass die große, furchteinflößende Kuh vielleicht doch nur ein Kälbchen war. Lasst uns noch mal darüber nachdenken, was uns eigentlich Angst einflößt …

Infos zum Bilderbuch:

Andrea Böhm – Text
Lee D. Böhm – Illustration

Der kleine Spatz und das Ungeheuer

Böhm & Böhm Verlag
Kinderbücher made in Leipzig

Leseprobe beim Verlag

 

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