Hummelreiter Friederich Löwenmaul und der Meisterspion Hieronymus Brumsel

Der Hummelreiter Friedrich Löwenmaul. Kinderbuch. FantasyVielleicht sollte ich zuerst erwähnen, was Der Hummelreiter Friedrich Löwenmaul nicht ist. Es ist kein Wir-erklären-die-Natur-Kinderbuch in Romanform. Im Vordergrund stehen Action, Abenteuer, Überraschung, und Zwangsgemeinschaften, aus denen echte Freundschaften entstehen. Ich hatte schon lange keine Charaktere in einem Kinderbuch mehr, die sich so sehr weiterentwickeln wie der Hummelreiter wider Willen Friedrich Löwenmaul und die Hummel Hieronymus Brumsel, großmäuliger Meisterspion der Königin von Südwärts.

So ganz nebenbei lernt man aber doch etwas über Ameisen, die Säure verspritzen, Raupen, die zu Schmetterlingen werden und Hummeln, die unter der Erde geboren werden. Eigentlich benutzt die Autorin diese Fakten, um ihre Fantasy-Welt namens Skarnland zu erklären. Ganz nebenbei versteht man dabei, wie unsere Welt funktioniert. Aber so sollte es bei guter Fantasy ja auch sein, oder?

Wie sieht ein Hummelreiter aus?

Interessant ist auch, was Verena Reinhardt in Der Hummelreiter alles nicht beschreibt, sondern der Fantasie des Leser überlässt. Wie groß ist eigentlich so ein Hummelreiter? Ich weiß es nicht wirklich. Die Tatsache, dass er auf eine Hummel passt, reicht. Er hat zwei Beine, eine Nase, Daumen und ist weich und rosa. So gut wie alles, was ich über die Helden des Buches, egal ob menschenähnlich oder Insekt, weiß, erfahre ich aus Dialogen. Jetzt greif doch mal richtig zu – Geht nicht, ich habe keine Daumen. Aber wir können ihn doch nicht auf dem harten Boden liegen lassen – Er hat einen Panzer und ist außen hart, innen weich. Bei Dir ist das umgekehrt.

Als Leserin habe ich mich stets hervorragend informiert gefühlt, ohne mich durch die für Fantasy so typischen langen Beschreibungen kämpfen zu müssen. Mein Kopfkino hat mir alles erklärt, was ich wissen wollte.

Überraschungen statt Schlachtengetümmel, Köpfchen statt Gewalt

Zu einem Fantasy-Roman, auch wenn er für Kinder ist, gehört ein Konflikt, der gelöst werden muss. Diesmal wird kein Krieg ausgefochten, sondern verhindert. Der Schwertkampf zum Finale hat eine Choreographie wie bei den Drei Musketieren. Die einzige ernst zunehmende Prügelei erinnert ein wenig an die Wirtshausschlägereien aus „Western von gestern“ und findet auf engstem Raum in einem Eisenbahnwaggon statt. Eine Heldin richtet ungewollt mit Stricknadeln, die sie für ihre Tarnung als Großmutter braucht, mehr Schaden an als mit ihrem Schwert, mit dem sie wirklich gut umgehen kann. Überhaupt sind die Frauen in diesem Buch genauso selbstverständlich am Abenteuer beteiligt wie die Jungs, Raupen, Laufkäfer, Fledermäuse und Opernsängerinnen.

Der souveräne Umgang der Autorin mit den für das Fantasy-Genre notwendigen Kampfszenen hat mich schwer beeindruckt. Es besteht kein Mangel an Action und Heldentum und trotzdem zeichnet sich das Buch durch einen sehr bewussten Umgang mit Gewalt aus.

Damit ist Der Hummelreiter Friedrich Löwenmaul ein klasse Einstieg für Kinder in das Fantasy-Genre und eine gute Lösung für alle Eltern, die den Tag, an dem ihr Kind „Der Herr der Ringe“ liest, noch ein wenig hinauszögern möchten.

Infos zum Kinderbuch:

Verena Reinhardt
Der Hummelreiter Friedrich Löwenmaul
Mit drei Bildtafeln und Vignetten von Eva Schöffmann-Davidov

empfohlen ab 10 Jahren

Beltz Verlag
ISBN:978-3-407-82097-6

Rezensionen bei Leselurch und zum Hörbuch bei Kinderohren. Eine „… aberwitzige Mischung aus Biene Maja, Fantasy und Steampunk“ schreibt die Welt.

 

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