Rico und Oskar

Rico und Oskar Band 1. KinderbuchWenn Rico alleine unterwegs ist läuft er am besten nur geradeaus. Versucht er, rechts oder links abzubiegen, passiert ihm ein Verlaufen. Doch mit geradeaus kommt er ganz schön weit und genau so geht er alles im Leben an: pragmatisch und direkt.

Rico ist tieferbegabt. Das Wort behindert mögen er und seine Mutter überhaupt nicht. Rico kann denken, nur etwas langsamer und am besten eben geradeaus, dann fallen auch keine Gedanken aus seinem Kopf.

Sein Freund Oskar hingegen kann schneller und mehr denken als die meisten seiner Mitmenschen. Beide begegnen immer wieder Menschen, die von ihrer jeweiligen Art zu denken überfordert sind. Menschen, die nicht wissen, wie sie mit diesen Kindern umgehen sollen. Umgehen wäre so ein Wort, an dem Rico garantiert hängen bleiben würde: wieso umgehen, drumherum gehen, wenn geradeaus gehen soviel einfacher ist?

Oskar und Rico werden einen Kriminalfall lösen. Das kann ihnen nur gelingen, weil sie auf zweierlei Arten denken. Jeder trägt bei, was er kann, und so gelingt ihnen im Zusammenspiel, was den Erwachsenen nicht gelungen war.

Rico, Oskar und die Tieferschatten ist nicht nur ein spannendes Buch, sondern auch ein lustiges. Auch dabei geht es ehrlich zu: manchmal wird über die beiden Helden gelacht, manchmal mit ihnen und manchmal machen sie Witze, die nur sie selbst verstehen. So, wie im echten Leben außerhalb des Buches auch.

Auch die Art, wie die Geschichte erzählt wird, ist ehrlich, denn wir erleben die Welt so, wie Rico sie erlebt. Manche Absätze sind einfach. Kurze Sätze, klare Dialoge. Dann fällt ein Begriff, den Rico nicht kennt. Er versucht, seine Bedeutung zu verstehen. Doch wenn er sich darauf konzentriert kann er allem anderen nicht mehr folgen. Er verliert den roten Faden, die Sätze werden länger und strubbeliger. Der Leser erlebt die Geschichte fast so, als wäre er in Ricos Kopf.

Wenn Ricos Gedanken strubbelig werden und wie Bingo-Kugeln in seinem Kopf herumwirbeln, wendet er einen Trick an. Geradeaus-Laufen ist so ein Trick, Platz nehmen im Nachdenksessel ein anderer. Rico hat zusammen mit seiner Mutter und dem Lehrer aus dem Förderzentrum viele Tricks erarbeitet. Wir lernen sie kennen und ganz ehrlich: da ist vieles dabei, was auch anderen Kindern nützlich sein könnte.

Für Rico ist all das das ganz normale Leben, sein Leben. Wenn man sich die anderen Figuren näher anschaut merkt man, dass auch sie sich mit ihren Macken und Besonderheiten im Leben eingerichtet haben. Normalität ist das, was man selbst dafür hält. Ich habe selten so viele unterschiedliche Lebensentwürfe in einem Kinderbuch entdecken können.

Oskar und Rico haben beide Methoden entwickelt, mit der Welt da draußen und dem Leben klar zu kommen. Jetzt erwarten sie, dass die Welt sich auch etwas Mühe gibt und mit ihnen klar kommt. Das ist ja wohl das Mindeste, oder?

Angaben zum Kinderbuch:

Andreas Steinhöfel

Rico und Oskar Band 1
Rico, Oskar und die Tieferschatten

Illustrationen von Peter Schössow

Carlsen Verlag
Im Buchhandel erhältlich als Taschenbuch, Hardcover, eBook und Hörbuch

Rezensionen beim Luchs-Buchpreis und beim Deutschen Jugendbuchpreis. Filmkritik in der FAZ.

Ein Kommentar

  1. Ich mag dieses Buch sehr, weil es viele dieser ehrlichen, berührenden Stellen hat und zugleich eine Witzigkeit. Übrigens fand ich die Verfilmung nicht schlecht, aber an das Buch kommt sie nicht heran.

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