Mein bester Freund wurde eingeladen – ich nicht!

Ein wunderbar schräges Bilderbuch von Alice Lima de Faria über wahre Freundschaft und den Wunsch, dazuzugehören!

Kindergeburtstage können eine komplizierte Angelegenheit sein. Wer wird eingeladen – und wer nicht? Wie sehr das Freundschaften belasten kann, wurde schon häufiger erzählt. Doch die Geschichte von Flapps, der Fledermaus, und Mark, dem Wurm, hat mehr als eine unerwartete Wendung und stellt viele gute Fragen.

Mark wird, anscheinend etwas unerwartet, zum Flattervogelfest eingeladen. Darauf ist er mächtig stolz. Seine Freundin Flapps hat keine Einladung erhalten. Die einfachste Erklärung: Sie ist nachtaktiv, das Fest findet aber tagsüber statt.

Aber ist das der einzige Grund? Flapps ist groß, dunkel und wirkt fast etwas schwerfällig. Die Vögel hingegen sind bunt und quirlig. Das sind zwei höchst unterschiedliche Lebenswelten. Mark, der Wurm, kann sowohl tags als auch nachts aktiv sein. Auch in der Farbgebung passt er in beide Welten.

Kinder kennen so etwas. Die Fußballclique verhält sich anders als die Pferdefans. Manche Kinder können anscheinend mühelos zwischen den Welten wechseln, andere nicht.

Flapps kann es nicht – aber sie versucht es. Sie geht einfach hin. Doch schon an der Tür scheitert sie an der nächsten wichtigen Frage: Hast Du ein Geschenk für mich?

Hat sie nicht, doch ihr fällt etwas sehr Passendes ein. Wie passend das ist, merkt sie erst in letzter Sekunde und kann gerade noch verhindern, dass die Geschichte für Mark sehr übel ausgeht. Ja, man sollte sich gut überlegen, warum Vögel ausgerechnet einen Wurm zur Party einladen …

Am Ende sind Flapps und Mark wieder allerbeste Freunde. Die bunte, schillernde Welt der Flattervögel wirkt gar nicht mehr so verlockend.

Die Komplexität von kindlichen Gedanken ernst nehmen

Ich mag Bücher, die anerkennen, dass auch Kinder in einer komplexen Welt leben. Moralische Dilemma und ausbalancieren von unterschiedlichen Wertvorstellungen sind keine Themen, die ausschließlich für Erwachsene reserviert sind. Die Lösungswege, die Kinder dafür finden, sind häufig sehr kreativ und vielfältig, denn sie können noch nicht auf einen reichhaltigen Fundus an Standard-Lösungen zurückgreifen wie wir Erwachsenen.

Bereits in ihrem ersten Bilderbuch »Ich war’s nicht, sagt Robinhund« hat Alice Lima de Faria gezeigt, dass sie die Komplexität von kindlichen Gedankengängen ernst nimmt. Im Vergleich zum Vorgänger geht sie diesmal künstlerisch noch einen Schritt weiter: Diese Geschichte ist nicht illustriert – Geschichte und Bilder bilden eine Einheit. Das eine funktioniert nicht ohne das andere.

Dafür verwendet Alice Lima de Faria eine breite Palette an Illustrationstechniken von poppigen Wasserfarben und Comic-Sprechblasen über scherenschnitt-ähnliche Sequenzen bis hin zu Elementen, die an Bleistift-Skizzen erinnern.

Die allerletzte Seite ist zudem eine Steilvorlage für alle Vorlesenden. Nehmt Euch in Acht, es könnte laut werden!

Infos zum Bilderbuch:

Alice Lima de Faria
Flattervogelfest

empfohlen ab 4 Jahren

Mixtvision Verlag

Mehr von Alice Lima de Faria auf meinem Blog:

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.