Vom Steinmetz zum Architekten: Andrea Palladio

Dieses Bilderbuch erzählt wichtige Ereignisse und Stationen im Leben des Architekten Andrea Palladio, dem berühmtesten Baumeister der Renaissance – von seinem Werdegang als Steinmetz, seinen ersten Aufträgen für Landadlige, seinen Bildungsreisen nach Rom, dem spektakulären Bau des Stadthauses von Vicenza und schließlich die berühmte Villa „La Rotonda“.

Überrascht hat mich der Weg, auf dem Arne Winkelmann Kindern den Renaissance-Architekten Andrea Palladio näher bringt. Nicht die beeindruckenden Villen stehen im Mittelpunkt, sondern der Werdegang Palladios.

Trotzdem ist das Buch keine Biographie. Es ist ein gelungenes erzählendes Sachbuch, das Wissen über die Zeit, das Handwerk und die Architektur vermittelt und gleichzeitig genug Freiraum lässt, dass Kinder an vielen Stellen anknüpfen können und auf eigene Faust sich weiter mit dem Thema Architektur und Bauhandwerk befassen können.

Die Illustrationen von Hauke Kock stellen genau wie die Erzählung die Menschen in den Mittelpunkt. Lexikalische Elemente und Architekturzeichnungen gibt es auffallend wenig. Als Leser hat man fast das Gefühl, in einen Film einzutauchen.

Wie wird man Architekt?

Heute ist Architektur ein Studiengang, der auf Außenstehende durchaus wie eine Geheimwissenschaft wirken kann. Zur Zeit von Andreas Palladio war das anders. Er, der Sohn eines Müllers, entscheidet sich gegen den Betrieb des Vaters und für eine Lehre als Steinmetz. Palladio war also kein studierter Kopf und kam nicht aus der Oberschicht – er war Handwerker.

14 Jahre lang arbeitet er als Steinmetzgeselle bis sein Meister ihm anspruchsvollere Aufgaben überträgt. In diesem Handwerksbetrieb wurde nämlich nicht nur Steine geklopft und verbaut. Auch Häuser wurden entworfen und geplant.

Über seine Auftraggeber lernt Palladio einen Förderer kennen, der ihm den Zugang zu Bildung ermöglicht und mit ihm eine Studienreise nach Rom unternimmt. Dort studiert Palladio die antiken Ruinen gründlich und erkennt die Grundlagen der Harmonie. Aus seinen Skizzen entsteht so eher nebenbei einer der ersten Reiseführer.

Was braucht man also, um ein berühmter Architekt zu werden? Talent. Ausdauer, Lust auf lebenslanges Lernen. Viel Fachwissen. Eine sympathische, offene Art, die einem den Umgang mit Kunden erleichtert. Ein Gefühl für den Geschmack der Menschen. Glück.

Das ist eine durchaus ehrliche und motivierende Botschaft!

Jedes Kind zeichnet und baut Häuser. Mich würde nicht wundern, wenn nach dieser Familienlektüre diese Häuser Säulen nach antikem Vorbild hätten und deutlich größer ausfallen würden!

Angaben zum Kindersachbuch:

Arne Winkelmann und Hauke Kock
Andrea Palladio. Auf der Suche nach der idealen Villa


Mit Hörspiel-CD

Reihe ARCHITEKTEN KENNEN LERNEN Band 1

Antaeus Verlag
Leseprobe beim Verlag

Rezension beim Baunetz

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2 Kommentare

  1. Ich ergänze noch: zu dieser Zeit gab es, was heute Berufe übers Studium sind, bis auf den Medicus, Theologie und Jura solche an sich nicht. Viel mehr waren es die Handwerkerberufe mit einer klaren Ausbildung. Künstler verstanden sich immer als Handwerker!

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