Eine Weihnachtsgeschichte von früher aus dem Schwarzwald

Weihnachten früher im Schwarzwald: LebkuchenweibleinLebkuchenweiblein. In dieses Wort habe ich mich sofort verliebt. Doch was macht so ein Lebkuchenweiblein? Ohne sie kann es nicht Weihnachten werden. Und das kam so:

Das Lebkuchenweiblein lebte früher, in einer Zeit ohne Telefon und Auto, im Schwarzwald. Immer kurz vor Weihnachten ging sie zum Dorfbäcker, kaufte dort Lebkuchen und zog dann mit ihren Schlitten von Hof zu Hof, um sie mit ein klein wenig Gewinn weiterzuverkaufen.

Sie brachte damit nicht nur eine Leckerei, die es nur einmal im Jahr gab, zu den Dorfbewohnern – sie brachte die Gewissheit, dass es nun bald Weihnachten werden wird.

In dem Jahr, in dem die Geschichte spielt, wird die kleine Ida ihre Großmutter zum ersten Mal begleiten. Natürlich wird einiges schief gehen und sich manches anders entwickeln als geplant. Das hat sich Heidi Knoblich wirklich fein ausgedacht! In ihrem Buch geht es nicht nur um vergangene Zeiten und die Vorfreude auf Weihnachten. Sie erzählt auch vom größer werden, von Hilfsbereitschaft, Ehrlichkeit und der Bereitschaft, für die eigenen Werte einzustehen. Doch vor allem erfahren wir in dem Buch, wie das Leben im Winter früher war, wenn die Dörfer tief eingeschneit waren und der Gang bis zum nächsten Nachbarn weit und gefährlich.

Um die Geschichte in einem Rutsch vorzulesen, finde ich sie ein wenig zu lang. Daher hätte ich mir deutlichere Sinnabschnitte gewünscht, die es ermöglichen, die Lektüre auf mehrere Vorlesestunden zu verteilen.

Die Illustrationen von Martina Mair halten schön die Balance zwischen Nostalgie und Realismus. Jacken und Hosen sind geflickt, die Stuben karg und die Fäustlinge kratzen mich schon beim Ansehen – und doch liegt ein warmherziger Zauber über allem.

Mir wird vor allem eines im Gedächtnis bleiben: die Frage, wie es sich wohl anfühlt, wenn es eine Leckerei wirklich nur einmal im Jahr gibt – und dann vielleicht auch nur ein einziges Stück davon? Wäre ich dann bereit, diese auch noch abzugeben, um ein Versprechen zu halten? Zum Glück für den kleinen Helden aus dem Buch ist das Lebkuchenweiblein doch mehr als nur eine Händlerin und Großmutter, die mit ihrer Enkelin von Tür zu Tür zieht – sie ist ein kleines Weihnachtswunder.

Angaben zum Buch:

Heidi Knoblich

Illustriert von Martina Mair

Alle warten auf das Lebkuchenweiblein – Eine Weihnachtsgeschichte aus dem Schwarzwald

Ausführliche Rezension beim Titel Kulturmagazin.

Silberburg Verlag

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