Der Schriftsteller und die Katze

Bilderbuch: Der Schriftsteller und die Katze

Wie entsteht eine Geschichte? Zuallererst braucht es eine Idee. Doch Ideen gibt es viele. Es gilt, die richtige zu finden – eine, die Herz und Kopf anspricht. In diesem Buch ist es ein Schriftsteller, der auf der Suche nach einer Idee für eine neue Geschichte ist. Geduldig wartet er, bis sich überhaupt die ersten kreativen Einfälle zeigen. Dann hat er zu viele. Manche sind elefantös groß, andere geheimnisvoll düster oder ziemlich albern. Er greift zu der, die direkt auf seinem Kopf herumtanzt:

Es war eine junge Katze, gerade im besten Katzenalter. Sie war stolz und mutig und es war ihr völlig egal, wenn sie wegen ihres Stummelschwanzes ausgelacht wurde.

Zitat aus dem Bilderbuch „Der Schriftsteller und die Katze“

Der Schriftsteller hat seine Heldin gefunden und wir Leser:innen können mit ihm in den Schreibprozess einsteigen.

Wie schreibt man ein Buch?

Als ich vor vielen Jahren zum ersten Mal von einer Schriftstellerin hörte, dass sie gerade an einem Roman schreibt und noch nicht weiß, wie er ausgehen wird, war ich verblüfft. Damals wusste ich viel darüber, wie Verlage arbeiten und wie Bücher verkauft werden. Aber fast nichts über den kreativen Prozess des Schreibens.

Jetzt kommt ein Bilderbuch daher und schließt exakt diese Wissenslücke. Für mich ist dieses Buch ein kleines Wunder.

Phantasie, Geduld, Vertrauen: eine Idee wachsen lassen

Zurück zu unserem Schriftsteller und der kleinen Katze mit dem Stummelschwanz. Er setzt sie in die Umgebung, in der seine Geschichte spielen soll, und lässt sie ihren Weg gehen. Er beobachtet ihr Leben, ihre Entscheidungen und schreibt alles auf. Er schenkt seiner Idee den Raum, den sie braucht, um zu wachsen, und lässt sie mehr Abenteuer erleben, als es für sein Buch braucht.

Schon bald ist die Katze in Schwierigkeiten. Wird er eingreifen? Ihr einen Rat geben? Was geschieht, wenn aus der Idee ein Buch geworden ist? Wo ist die Katze dann? Wie fühlt sich der Schriftsteller, wenn die Geschichte der kleinen Katze zu Ende erzählt ist? Vermisst er sie?

Auch das hat mich verblüfft: Das Buch räumt den Themen Ideenfindung, Ideen ausarbeiten und dem Verhältnis des Schriftstellers zu seinem Werk exakt gleich viel Raum ein. So hatte ich den kreativen Prozess noch nicht betrachtet!

Die Menschen hinter dem Bilderbuch

Geschrieben wurde „Der Schriftsteller und die Katze“ von Nabiha Mheidly, Kinderbuch-Verlegerin aus Beirut. Illustriert wurde es von Walid Taher, der als einer der wichtigsten Bilderbuchkünstler der arabischen Welt gilt. Ganz in Türkis, Blau und Orange gehaltenen Bilder, die schon fast cartoon-hafte Skizzen mit sanften Aquarell-Elementen verbinden: Es ist gerade sein Stil, der die Aussagen zur Kreativität lebendig werden lassen. Hier der Schriftsteller und seine Welt, die Walid Taher mit kräftigen, aber doch leichten und eleganten Strichen zeichnet. Dort die Welt der Phantasie, zart, flächig und nicht ganz greifbar, aber doch raumbestimmend.

Übersetzt wurde das Bilderbuch von Petra Dünges, die sich als Übersetzerin auf arabische Kinderliteratur spezialisiert hat. Erschienen ist es im Susanna Rieder Verlag, deren Programm eigentlich nur aus Überraschungen besteht!

Innenseite aus dem Bilderbuch: der Schriftsteller spricht mit seiner Katze

Angaben zum Bilderbuch:

Nabiha Mheidly (Text)
Walid Taher (Illustration)


Der Schriftsteller und die Katze

Susanna Rieder Verlag

Empfohlenes Lesealter: eher Grundschule als Kita

Das Buch hat es übrigens auf die Empfehlungsliste der Internationalen Jugendbibliothek München geschafft, die sich ganz in der Nähe des Rieder Verlags in München befindet. Warum das eine ganz besondere Bibliothek ist, könnt ihr auf meinem anderen Blog nachlesen:

Noch ein außergewöhnliches Bilderbuch aus dem Rieder Verlag:
Der Bandit mit dem goldenen Colt

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