Ein Baum kommt selten allein

Kindersachbuch Ein Baum kommt selten allein. Das Buch lehnt am Stamm eines alten Mirabellenbaums.

Was ist das Beste, das du in einem isländischen Wald machen kannst, wenn du dich verlaufen hast? Aufstehen! Weil die Wikinger damals die Wälder auf Island abholzten, sind die Bäume heute noch so niedrig, dass Menschen darüber hinweg schauen können. Warum das so ist, steht wiederum an einer anderen Stelle des Buches »Ein Baum kommt selten allein«. Um wachsen zu können benötigt ein Baum eine Temperatur von mehr als 5 Grad. Deswegen sind die Wälder, die für Schiffsbau und Weidewirtschaft gerodet wurden, immer noch nicht nachgewachsen.

Diese Erläuterungen beschreiben zugleich die beiden ganz großen Stärken des Kindersachbuchs. Einmal die sehr plastischen, einprägsamen Vergleiche. Sie sind so gewählt, dass Kinder nach der Lektüre sogar Erwachsenen einfach alles über Bäume erklären könnten. Wann ist eine Pflanze ein Baum? Wo gibt es Wälder – und wo nicht? Wie funktioniert Photosynthese? Wofür sind Kambium, Bast und Borke gut? Warum braucht ein Baum Pilze und wie kümmern sich »Baumeltern« um ihren Nachwuchs? All das und noch viel mehr wird knapp, locker und leicht verständlich beschrieben.

Die zweite große Stärke des Kindersachbuchs »Ein Baum kommt selten allein« ist das Verknüpfen von Wissen. Viele der Informationen werden wie im Beispiel mit den Wäldern auf Island im Laufe des Buches wieder aufgegriffen und vertieft. So wird aus Infotainment echtes Fachwissen.

Ergänzt wird das Sachwissen durch spielerische Elemente und Mitmach-Seiten. Da das Sachbuch jedoch sehr aufwändig gestaltet ist, habe ich Zweifel, ob diese wirklich bemalt und beklebt werden.

Auch die grafische Gestaltung lässt mich etwas unschlüssig zurück. Mein erwachsenes Auge mag sie sehr. Aber ich frage mich, ob bei den eher flächigen Bildelementen der Blick der Kinder nicht zu wenig gelenkt wird. Der fast durchgehende grüne Hintergrund und die zum Teil recht schmalen Spalten der Textblöcke erschweren das Lesen. Das kann dann so aussehen:

Aus den Seiten-
ästen eines Banyan-
Baums wachsen weitere
Hängewurzeln Richtung
Erde, die sich wie Stäm-
me verahlten – ein ein-
ziger Baum kann dann
aussehen wie ein ganzer
Wald.

Ein Baum kommt selten allein – S. 81

Deswegen ist für mich »Ein Baum kommt selten allein. Was du schon immer über Bäume wissen wolltest« von Elisabeth Etz und Nini Spagl vor allem ein Buch für die ganze Familie und ein wunderbarer Fundus für den Sachkunde-Unterricht in der Grundschule!


Infos zum Buch:

Innenseiten aus "Ein Baum kommt selten allein"

Elisabeth Etz
Nini Spagl

Ein Baum kommt selten allein

empfohlen ab 9 Jahren ( 4. Klasse oder älter)

Leykam Verlag


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Dieses Bilderbuch erklärt zum Beispiel, warum manche Waldtiere mittlerweile auch in der Stadt leben:

2 Kommentare

  1. Hallo Dagmar,

    ist dieses Buch schön gemacht! Ich habe gleich nach weiteren Bildern geschaut und den Nachwuchs der Eichengallwespe entdeckt. Die Bilder sind einfach großartig gezeichnet und lassen einen so nahen Blick zu, den man in natura nur selten bekommt. Die Texte finde ich inhaltlich sehr gelungen. Noch nie hat mir jemand so anschaulich den Prozess der Photosynthese erklärt. Vielleicht macht das dann auch die teils wirklich sehr schmale Darstellung in den Spalten wett. Ich könnte mir vorstellen, dass die Leser im Grundschulalter wirklich von diesem Buch angetan sind. Dann lesen sie zur Not auch winzig Kleines oder über Kopf oder halt sehr schmal Geschriebenes. 🙂
    Danke für den schönen Lesetipp!

    Herzliche Grüße

    Stefanie

    • Ich war bei dem Kindersachbuch auch verblüfft, wie einfach man Photosynthese erklären kann! Wenn ich mich da noch an meinen Biologie-Unterricht erinnere … Die Gallwespe ist auch ein gutes Beispiel für die Qualität des Buches. Schnell mal die Basics erklären und dann sofort zu den spannenden Details weiterleiten.

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