Armer, böser Wolf

Armer böser Wolf. Eine kleine Weihnachstgeschichte mit einem sommerlichen Ende.

Niemand mag dem Wolf helfen. Weder die sieben Geißlein, noch Rotkäppchen oder die Prinzessin sind bereit, ihn in der kalten Winternacht in ihr Haus zu lassen.

Dabei ist dieser Wolf alles andere als furchterregend: Struppig, lahm und abgemagert streunt er durch den Wald. Seinen Kumpels Bär und Fuchs ergeht es nicht besser.

Freunde hat er nicht mehr einen.
Doch man darf auch nicht vergessen:
Statt zu spielen mit den Kleinen,
wollt er sie halt lieber fressen.

Geschieht ihm also recht, oder? Doch ausgerechnet das Wort „Punsch“ bringt die Wende. Wichtel bieten den jämmerlichen Gestalten Weihnachtspunsch an und laden sie zu ihrem Weihnachtsfest ein.

Wunder sind möglich, doch was geschieht nach der Weihnachtsnacht?

Ich gebe zu: Dieses Bilderbuch hätte eigentlich im Dezember besprochen werden wollen. Aber da war die Zeit zu knapp. Da es aber wie kaum eine andere Weihnachtsgeschichte das Wunder der Weihnachtsnacht weiterführt und erzählt, was danach geschah, hole ich die Rezension jetzt zum Frühlingsanfang nach. Das hier ist die Auflösung – ein sommerliches Bild, das zeigt, dass Wolf, Fuchs und Bär tatsächlich nach Weihnachten ihr Verhalten geändert haben:

Jetzt hat der arme böse Wolf viele Freunde. Das sommerliche Ende eines Weihnachtsmärchen.

Und am Ende dieser Feier
sprach zum Abschied dann der Wicht:
„Lieber Wolf, das lass dir raten:
Gute Freunde frisst man nicht!“

Freunde hat der Wolf nun viele
und seit jenem Weihnachtstag
nimmt statt Fleisch er mehr Gemüse
Auch wenn er es nicht so mag.

Aus dem Bilderbuch „Armer böser Wolf“ von Andreas Preysing und Alireza Darvish

Erzählt wird diese Weihnachtsgeschichte in Bildern, die einerseits wie Film-Stills wirken, andererseits einen leicht altertümelnden Charme haben. So bedient die Geschichte vom armen, bösen Wolf gleich zweierlei Sehgewohnheiten und verbindet die Märchenbuch-Welt mit dem Film.

Mir persönlich hat die Gewichtung der Szenen nicht ganz gepasst: Das Drama am Anfang nimmt für meinen Geschmack etwas viel Raum ein. Auch hätte ich mir detailliertere Gesichter mit mehr Mimik gewünscht. Aber das ist – wie immer – die Einzelmeinung einer erwachsenen Leserin und wird von den vielfältigen Möglichkeiten, diese Geschichte zu lesen, aufgewogen.

Die Frage, warum wir Tiere essen, wenn sie doch unsere Freunde sind, schwingt dezent im Hintergrund mit. Genauso gut kann dieses Bilderbuch auch als Abenteuergeschichte gelesen werden. Oder als philosophisches Denkspiel, ob böse Menschen immer böse sind. Oder was es braucht, damit jemand sein Verhalten ändert. Oder einfach nur als wir-denken-Märchen-weiter-Anregung.

Infos zum Bilderbuch:

Andreas Preysing (Text & Idee)
Alireza Darvish (Illustrator)

Armer böser Wolf

Torhaus Verlag

Mehr Märchen zum Vorlesen oder Selbstlesen auf meinem Blog.

Ein Kommentar

  1. Das Buch ist eine wunderbare Weihnachtsgeschichte, Die Stimmung, der Winter im Wald gefällt uns sehr gut. Die Geschichte ist schön gereimt un macht immer Lust auf die nächste Seite. Das gefällt Kindern aber auch Eltern. Danke den Machern! Jörg und Gabi Heidenreich mit Timo und Suzanna

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.