Vorbilder für Jungs: Boys who dare to be different

Geschichten, wie sie sich die Rebel Girls zum Einschlafen erzählen, gefallen Jungs auch. Daher ist es nur verständlich, dass mit »Stories for boys who dare to be different« ein Biographien-Band für Jungen erschienen ist, der den gleichen Ansatz wie Good Night Stories for Rebel Girls verfolgt.

Ich finde das erst einmal eine gute Entwicklung. Alles, was Vielfalt und die schier unendlichen Möglichkeiten ein Leben zu führen sichtbar macht, ist mir willkommen. Wenn wir erst einmal Bücher brauchen, die aufzeigen, dass Mädchen alles sein können, und diese Bücher dann ergänzen mit solchen, die zeigen, dass Jungs alles sein können – nun, dann ist das erst einmal so. Und es ist für mich tatsächlich ein Schritt nach vorne.

Es gab eine Zeit – ich kann mich noch gut daran erinnern – da wurden zur Konfirmation Werke wie »100 große Persönlichkeiten der Weltgeschichte« verschenkt. Ihr ahnt es: Darin gab es fast nur Biographien von Männern. Später gab es dann Bücher über 100 berühmte Frauen. Das war durchaus ein Fortschritt. Aber Mädchen bekamen seit dem Bücher über Frauen und Jungs weiterhin Bücher über berühmte Persönlichkeiten, die alles waren, nur nicht weiblich.

Und heute? Good Night Stories for Rebel Girls und Stories for boys who dare to be different sind im Vergleich dazu nur ein kleiner Fortschritt. Immerhin richten sich diese Bücher nun an jüngere Kinder. Das ist gut. Früher bekamen wir diese Themen erst als Fast-Erwachsene serviert. Zu dem Zeitpunkt hatte ich schon erkannt, dass die Welt der Erwachsenen nicht die Welt war, in der ich leben wollte. Die Biographien berühmter Frauen halfen mir dann auch nicht weiter – sie verfestigten nur den den Eindruck, verarscht worden zu sein.

Was ich mir wünschen würde, wäre die Kombination aus Rebel Girls und Boys who dare to be different. Ein Buch für alle. Aber davon sind wir anscheinend immer noch ein gutes Stück entfernt.

Was wagen diese Jungs eigentlich?

Gute Vorbilder sind wichtig. Alexander der Große, der Held aus früheren Biographien-Sammlungen, hat ausgedient. Doch wer eignet sich heute als Vorbild? Dieses Buch versammelt vor allem Berühmtheiten, die unter widrigen Bedingungen ins Leben gestartet sind. Armut, Stottern. Migranten. Und was haben sie geschafft? Sie haben an sich geglaubt, haben hart gearbeitet. Sie wurden reich, berühmt, ein Vorbild. Fast jeder von ihnen hätte als Start-up-Gründer in der Höhle der Löwen eine gute Figur gemacht.

Ist das dieses »to be different«? Wirtschaftlicher Erfolg? Ich hatte das anders in Erinnerung.

Zum Glück sind auch einige Helden dabei, die angetreten sind, die Welt zu einem besseren Ort zu machen, ohne dabei reich und berühmt zu werden. Das versöhnt mich mit dem Buch.

Ein großes Leben in zwei Spalten Text

Die Essenz eines Lebens in wenig Text kindgerecht zusammenzufassen ist eine große Herausforderung. Ich finde die Texte in diesem Buch nicht gelungen.

Kurze Sätze alleine ergeben noch keine kindgerechte Sprache. Unübliche Begriffe sollten erklärt werden. Gerade bei wissenschaftlichen Entdeckungen müssen die Hintergründe klar sein. Was können Kinder mit solchen Sätzen anfangen:

Zu Galileos Zeit testeten Philosophen ihre Theorien nicht, anders als die Wissenschaftler von heute. Sie dachten sich einfach etwas aus und verkündeten dann, es sei wahr.

Ben Brooks – Stories for boys who dare to be different

Um das zu verstehen, muss man eigentlich schon viel über Wissenschaftsgeschichte wissen. Die Tatsache, dass Galileo im Absatz vorher noch als Mathematiker dargestellt wird und nun auf einmal von Philosophen die Rede ist, macht das Verständnis nicht einfacher.

So lässt mich dieses Buch zwiegespalten zurück. Ich mag die Idee dahinter, aber etwas mehr Sorgfalt bei der Ausarbeitung der Geschichten hätte ihm gut getan.

Infos zum Buch:

Ben Brooks
Quinton Winter – Illustrationen

Stories for Boys Who Dare to be Different – Vom Mut, anders zu sein
Band 1

Loewe Verlag


Kritische Auseinandersetzung in der Zeit. Für Buuu.ch ist es nicht das Buch, das sie als feministische Mutter eigentlich sucht. Julie liest hingegen nimmt einen anderen Blickwinkel ein und zeigt, warum es solche Bücher für Jungs braucht.

Mehr Bücher für Jungs auf meinem Blog.

2 Kommentare

  1. Ich habe das Buch meinem Bruder zu Weihnachten geschenkt, habe es aber leider selber noch nicht gelesen. Danke für deine Meinung! Mich stört bei diesen Büchern, dass sie sich nur an Jungen (bzw. beim weiblichen Pendant nur an Mädchen) richten, dabei finde ich, sind die Geschichten für beide Geschlechter interessant. Ich mag daher Bücher, die sowohl weibliche als auch männliche Persönlichkeiten für Kinder thematisieren, besser.

  2. Nicole Katharina

    Hi
    Ich gab dem Buch auch nur drei Sterne. Irgendwie störten mich jedoch andere Punkte. Und bei deinem genannten Beispiel ging es mir ähnlich, da war ich auch erst einmal irritiert.
    Liebe Grüße Nicole

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